Schulung in Taiwan – 11. Tag

So, Saola hat an die Tür geklopft! Heute Nacht gegen 0:00 haben wir die ersten Anzeichen des Taifuns gespürt. Der Wind frischte auf und der Regen wurde stärker. Und bald hatten wir hier einen ordentlichen Sturm und wolkenbruchartigen Niederschlag. Schon im Vorfeld gab das Central Weather Bureau of Taiwan die Information heraus, dass wir mit Windböen über 160kh/h und Niederschlägen von 550mm-600mm (manche Quellen sprachen von bis zu 1000mm) in den nächsten beiden Tagen zu rechnen hätten. Zum Vergleich: Zuhause in Hannover fallen jährlich lediglich 643mm. Entsprechende Angst hat man hier vor Überschwemmungen, Erdrutschen und unterspülten Straßen. 2001 flutete der Taifun Nari alle unterirdischen Strecken der MRT (U-Bahn in Taipei), inkl. 16 Stationen, dem Control Center und einem Bahndepot. Der volle Betrieb konnte erst nach drei Monaten wieder aufgenommen werden. Inklusiver der Vororte, die ebenfalls über die MRT angeschlossen sind, hat Taipei 8 Mio. Einwohner. Ein Desaster!
Eigentlich hatte man erwartet, dass Saola dicht an der Nordspitze Taiwans vorbeiziehen sollte und dabei Taipei etwa gegen 8:00Uhr morgens am nächsten kommen und Winde mit biszu 172km/h mitbringen sollte. Kurz vorher drehte der Wind jedoch auf Ost und trieb den Taifun geradewegs gegen das im Osten gelegene Küstengebirge. Da er dieses nicht überschreiten konnte, wurde er in Folge langsam an der Ostküste entlang Richtung Norden getrieben und verlor dabei an Stärke, so dass er, als er gegen 14:00Uhr den kürzesten Abstand zu Taipei hatte, nur noch Winde, die in der Spitze 126km/h betrugen, mit sich führte. Nun hat er den nördlichsten Punk Taiwans passiert und nimmt Kurs auf das chinesische Festland.

Folgendes gab die Nachrichten Agentur APA/sda hierzu bekannt:
„Taipeh – Begleitet von starkem Regen hat der Taifun „Saola“ am Donnerstag die Küste Taiwans erreicht. Vor allem im Osten des Landes standen Felder unter Wasser, zahlreiche Verkehrswege waren blockiert und die sonst geschäftige Metropole Taipeh glich einer Geisterstadt.
Die mittlere Windgeschwindigkeit lag bei 118 Stundenkilometern, in Böen wurden bis zu 155 Stundenkilometer erreicht. Die Behörden forderten Büros und Industriebetriebe im Norden des Landes zur vorübergehenden Schließung auf. In Taipeh wurden Dutzende Flüge gestrichen.

Das Verteidigungsministerium stellte 48.000 Soldaten zur Beseitigung möglicher Schäden zur Verfügung. Meteorologen sagten für das gesamte Wochenende heftigen Regen voraus und warnten vor weiteren Überschwemmungen.“ (Tiroler Zeitung)

Die Zahl der Opfer auf den Philippinen ist derweil auf 23 gestiegen und auch ein erster Todesfall in Taiwan ist bekannt geworden. Eine Frau wurde von einem umstürzenden Baum erschlagen.

Momentan, 19:00 Uhr Ortszeit,hat der Regen nachgelassen und man hört wieder das Zirpen der Zikaden in den Büschen, das jedoch häufig durch die Sirenen vorbeifahrender Rettungskräfte unterbrochen wird. Ich drücke den Menschen dieser Stadt und allen betroffenen Regionen die Daumen, dass die Auswirkungen des Taifuns nicht allzu gravierend sein werden. Morgen werde ich sicher Näheres berichten können. (Kollege: Manni)

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